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Val di Noto mit dem Rad: Radführer zu den Barockstädten Siziliens
Im Val di Noto im Südosten Siziliens liegen acht Städte, die nach dem Erdbeben von 1693 in einem Zug im Stil des Spätbarocks wiederaufgebaut und 2002 gemeinsam in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden. Mit dem Rad ist die Region eine der schönsten Radwochen Italiens – und eine der ruhigsten: herrliche, fast leere Straßen, prachtvolle Städte … und mehr Steigungen, als die Fotos von Noto vermuten lassen.
Dieser Radführer erklärt, was das Val di Noto wirklich ist, wie das Gelände aussieht – es ist nicht flach, und kein ehrlicher Reiseführer sollte etwas anderes behaupten – und wie Sie Ihre Reise planen. Wir sind ein sizilianischer Reiseveranstalter: Das hier sind unsere eigenen Straßen.
Was ist das Val di Noto?
Am 11. Januar 1693 zerstörte ein Erdbeben den Südosten Siziliens. Was dann geschah, war ungewöhnlich: Statt die Ruinen notdürftig zu flicken, baute man die Städte neu auf – und zwar bewusst in einer einzigen Architektursprache, dem Spätbarock jener Zeit, in einem Umfang und einer Geschlossenheit, die kaum ihresgleichen haben. Manche Städte entstanden am selben Ort neu, manche gleich daneben, einige wurden ganz verlegt.
Das Ergebnis ist so eigenständig, dass Kunsthistoriker ihm einen eigenen Namen gaben: den „Barock des Val di Noto“. 2002 nahm die UNESCO das Ensemble unter dem Titel Spätbarocke Städte des Val di Noto (Südost-Sizilien) in die Welterbeliste auf. Dazu gehören acht Städte:
| Stadt | Wofür sie bekannt ist |
|---|---|
| Noto | Das Paradestück: eine honigfarbene Hauptstraße mit Palästen und Kirchen, am schönsten im flachen Abendlicht |
| Ragusa | Zwei Städte in einer: das moderne Ragusa oben, Ragusa Ibla unten, verbunden durch lange Treppen |
| Modica | An die Hänge einer Schlucht gebaut; berühmt für ihre kalt verarbeitete Schokolade |
| Scicli | Die meistgefilmte von allen – und die am wenigsten museale |
| Caltagirone | Die Keramikstadt; die Majolika-Treppe von Santa Maria del Monte führt mit 142 Stufen den Hügel hinauf |
| Palazzolo Acreide | Klein und würdevoll, überragt vom griechischen Theater der antiken Kolonie Akrai |
| Militello in Val di Catania | Die stillste, selten besucht |
| Catania | Aus schwarzem Lavastein wiederaufgebaut: der Sonderfall der Gruppe, eine Großstadt statt einer Kleinstadt |
Wie ist das Radfahren im Val di Noto wirklich?
Diesen Teil übergehen die meisten Beschreibungen. Das Val di Noto liegt in und um die Hybläischen Berge (Monti Iblei), eine Kalksteinhochfläche, die von tiefen Schluchten durchzogen ist. Die Städte liegen auf Hügeln, weil sie auf Hügeln gebaut wurden. Wer von einer zur nächsten will, muss klettern – und oft in eine Schlucht hinunter und auf der anderen Seite gleich wieder hinauf.
Gebirgig ist es nicht, lange Alpenpässe gibt es keine, aber das Gelände ist durchgehend hügelig, mit kurzen, steilen Rampen in die Altstädte hinein und wieder hinaus. Die Tagesetappen sind moderat – doch auf dieser Strecke fühlen sich 50 Kilometer nach deutlich mehr an.
Zwei Dinge sollten Sie deshalb einplanen:
- Ein E-Bike verändert alles. Wir empfehlen es den meisten Radfahrern: Es macht den Unterschied, ob Sie in Modica ankommen und Lust auf die Stadt haben – oder sich nur noch hinlegen wollen.
- Die Straßen sind ideal zum Radfahren. Abseits der Küste ist das Land fast menschenleer: ruhige Nebenstraßen zwischen Trockenmauern und Johannisbrotbäumen, mit sehr wenig Verkehr.
Kurz gesagt: herrliche Straßen, kaum Verkehr, wirklich schöne Städte – und mehr Höhenmeter, als die Fotos von Notos Hauptstraße vermuten lassen.
Eine natürliche Route zwischen den Städten
Die acht UNESCO-Städte liegen nicht auf einer Linie, und Catania – die Hafenstadt am Fuß des Ätna – eignet sich eher als Anreiseort denn als Etappe. Eine Radwoche durch das Herz der Region verläuft meist so:
- Start im Landesinneren in Piazza Armerina, das allein wegen der römischen Mosaike der Villa Romana del Casale einen ganzen Tag wert ist;
- Etappe nach Caltagirone mit seiner Keramik;
- weiter Richtung Südosten durch die Dörfer der Hybläischen Berge – Vizzini, Buccheri – nach Palazzolo Acreide;
- über die letzten Hügel nach Ragusa Ibla, mit Modica, Scicli und Noto in Reichweite im Süden.
Dieser Linie folgt in acht Tagen unsere individuelle Radreise Barockstädte Siziliens mit dem Rad, die über Modica, Ispica und Noto bis nach Syrakus weiterführt – mit Unterkünften, täglichem Gepäcktransport, Leihrad und GPS-Navigation, alles für Sie organisiert. Die Straßen sind öffentlich: Sie können sie selbstverständlich auch auf eigene Faust fahren.
Wenn Sie nur zwei oder drei Tage haben
Wohnen Sie in Ragusa Ibla oder Modica und fahren Sie eine Runde über Modica, Scicli und Noto. Die drei Städte liegen nah beieinander, lohnen die Anfahrt mit dem Rad am meisten, und Sie sparen sich den langen Transfer von Piazza Armerina. Das ist die beste Kurzversion dieser Reise.
Was vor Ort den Unterschied macht
- Schokolade aus Modica. Sie wird kalt verarbeitet, der Zucker schmilzt nie und die Textur bleibt körnig – ein Verfahren, das mit den Spaniern kam und sich hier hielt, als es überall sonst verschwand. Kaufen Sie sie in Modica, nicht am Flughafen.
- Ragusa Ibla liegt unten. Die Altstadt liegt am Ende einer langen Abfahrt vom modernen Ragusa, mit dem sie über Treppen verbunden ist. Beenden Sie dort lieber einen Tag, statt nur durchzufahren – und rechnen Sie damit, dass der Weg zurück nach oben ein echter Anstieg ist.
- Scicli und der Montalbano-Effekt. In Scicli, Ragusa, Modica und an der nahen Küste wurde die Fernsehserie Commissario Montalbano gedreht. Für viele Besucher ist das der eigentliche Grund ihrer Reise – und deshalb gibt es hier weit mehr Restaurants und Unterkünfte, als die Größe der Orte vermuten lässt.
- Die richtige Ankunftszeit. Barockarchitektur wurde für flaches Streiflicht entworfen. Mittags ist Noto beige, um sieben Uhr abends golden. Planen Sie die letzte Stunde jeder Etappe entsprechend.
Wann ist die beste Reisezeit?
Von April bis Anfang Juni und von Mitte September bis Ende Oktober. Wir sind hier im Landesinneren Siziliens: Im Juli und August steigt das Thermometer regelmäßig über 35 Grad, auf den Straßen der Hybläischen Berge gibt es kaum Schatten, und die Steigungen machen es noch härter. Wenn Sie im Hochsommer fahren müssen, starten Sie beim ersten Tageslicht und seien Sie bis Mittag am Ziel.
Der Frühling ist die schönere der beiden Jahreszeiten: Die Hochflächen sind grün, die Wildblumen blühen und die Städte sind ruhig. Der Oktober bringt Wein- und Johannisbrotlese und ein wunderbares Licht. Im Winter kann man an der Küste Rad fahren, doch die Städte im Landesinneren liegen hoch genug, um wirklich kalt und nass zu sein. Verbindungen finden Sie auf unserer Seite Anreise nach Sizilien.
Praktische Tipps
- Fahrrad: Ein Rennrad oder ein Trekkingrad reicht aus, alle Straßen sind asphaltiert. Wegen der Steigungen empfehlen wir den meisten Radfahrern auf dieser Route ein E-Bike.
- Übersetzung: Wenn Sie Ihr eigenes Rad mitbringen, achten Sie auf leichte Gänge. Die Rampen aus den Schluchten heraus sind kurz, aber steil.
- Wasser: Die Dörfer liegen nicht allzu weit auseinander, doch die Abschnitte in den Hybläischen Bergen sind menschenleer. Nehmen Sie zwei Trinkflaschen mit und füllen Sie sie in jedem Ort auf.
- Sonntage und Nachmittage: Kleine Orte machen am frühen Nachmittag konsequent zu, und viele Geschäfte sind sonntags geschlossen. Kaufen Sie Ihr Mittagessen vor 13 Uhr.
- Flughäfen: Catania ist der naheliegende Ankunftsort; Comiso liegt näher an Ragusa und ist oft ruhiger.
- Kombinieren: Die Barockstädte lassen sich gut mit der Küste um Syrakus im Osten verbinden (siehe unsere Radreise Syrakus und die Südostküste mit dem Rad). Der Ätna ist nah, aber eine ganz andere Art von Urlaub.
Häufige Fragen
Was ist das Val di Noto?
Eine Gruppe von acht Städten im Südosten Siziliens – Noto, Ragusa, Modica, Scicli, Caltagirone, Palazzolo Acreide, Militello in Val di Catania und Catania –, die nach dem Erdbeben vom 11. Januar 1693 in einem einheitlichen spätbarocken Stil wiederaufgebaut wurden. Die UNESCO nahm sie 2002 gemeinsam in die Welterbeliste auf.
Ist das Val di Noto mit dem Rad schwierig?
Die Strecke ist eher mittelschwer als leicht. Die Städte liegen auf den Hügeln der Hybläischen Berge, die Route dazwischen ist durchgehend wellig, mit kurzen, steilen Anstiegen in die Altstädte hinein und wieder hinaus. Lange Pässe gibt es nicht. Für die meisten Radfahrer macht ein E-Bike den Unterschied.
Wie viele Tage sollte ich einplanen?
Acht Tage reichen, um die Region gut kennenzulernen – von Piazza Armerina über Caltagirone und die Dörfer der Hybläischen Berge bis nach Ragusa Ibla. Mit zwei oder drei Tagen wohnen Sie am besten in Ragusa oder Modica und fahren das Dreieck Modica – Scicli – Noto.
Welches Fahrrad eignet sich?
Rennrad und Trekkingrad eignen sich beide: Die Straßen sind asphaltiert und meist in gutem Zustand. Wenn Sie Ihr eigenes Rad mitbringen, wählen Sie leichte Gänge; ansonsten mieten Sie ein E-Bike.
Wann ist die beste Zeit für eine Radreise im Val di Noto?
Von April bis Anfang Juni und von Mitte September bis Ende Oktober. Im Juli und August ist es im Landesinneren Siziliens sehr heiß, und die Straßen auf den Hochflächen bieten kaum Schatten.
Gibt es viele Touristen?
Noto und Ragusa Ibla sind in der Saison belebt, vor allem abends. Die Straßen zwischen den Städten sind das ganze Jahr über fast leer – der wichtigste Grund, die Region mit dem Rad statt mit dem Auto zu entdecken.
Muss ich Italienisch sprechen?
Hier hilft es mehr als in den Badeorten. In den Hotels und den wichtigsten touristischen Städten wird Englisch gesprochen, in den Dörfern der Hybläischen Berge deutlich weniger. Die Menschen sind geduldig und herzlich: Mit ein paar Worten Italienisch kommen Sie weit.
Lässt sich das Val di Noto mit dem Ätna oder der Küste kombinieren?
Ja. Catania und die Küste um Syrakus liegen ganz in der Nähe und lassen sich leicht ergänzen. Der Ätna ist nah, doch sein Aufstieg ist ein ganz eigenes Vorhaben, das eine eigene Route verdient.
Ihre Frage ist nicht dabei? Fragen Sie uns – wir leben und radeln hier. Schreiben Sie uns, wir antworten innerhalb eines Werktags.